Pfarrer Reinhard Hinderer geht am 1. Mai in den Ruhestand

© Das Ehepaar Hinderer

Sein Kollege Marcus Götz hat ihn und seine Frau Ingrid im Pfarrhaus in Beimbach besucht.
Reinhard Hinderer blickt zurück auf seinen Pfarrdienst und auf seinen Start in das Berufsleben als Lebensmittelhandwerker. Er ist nämlich gelernter Metzger...

Er ist 1954 als der älteste von vier Söhnen in Schorndorf geboren und in einer sehr traditionsreichen Metzgerfamilie in Rudersberg aufgewachsen. Seit 1780 wird dort die Metzgerei Hinderer im Familienbesitz geführt. Es war für ihn selbstverständlich Metzger zu werden und so hat er im elterlichen Betrieb die Lehre gemacht und danach für kurze Zeit auswärts in diesem Beruf gearbeitet. In der Familie gehörte der sonntägliche Kirchgang zur Gewohnheit und die Söhne nahmen aktiv am Leben der Jugendarbeit der Gemeinde teil. Der Bezirksjugendreferent des Jugendwerkes und andere haben zu Reinhard Hinderer immer wieder gesagt: „Du sottesch Pfarrer oder sowas werde!“ Diesem Ruf ist er zehn Monate nach Abschluss seiner Lehre gefolgt und hat am Theologischen Seminar in Bad Liebenzell von 1973 - 1978 eine fünfjährige Ausbildung gemacht. Danach war er bei den Landeskirchlichen Gemeinschaften tätig, drei Jahre lang in Bietigheim-Bissingen, acht Jahre in Böblingen-Sindelfingen, 13 Jahre in Gaildorf und zwei Jahre lang war er Gemeindediakon in Murrhardt. Ende der 80er Jahre kehrte er für ein Vierteljahr wieder in die elterliche Metzgerei zurück und half aus, weil der Vater schwer erkrankt war und sein jüngerer Bruder, der später die Metzgerei dann auch übernommen hat, eben erst in den Betrieb mit eingestiegen war.
Pfarrer Reinhard Hinderer ist verheiratet mit Ingrid Hinderer. Die beiden haben eine Tochter und einen Sohn, dazu die Schwiegerkinder und fünf Enkelkinder.
2004 führte der Weg von Reinhard Hinderer und seiner Frau in den Pfarrdienst. Berufsbegleitend absolvierte er die Kirchlichen Lehrgänge für den Pfarrdienst und war zu dieser Zeit Pfarrverweser in Beimbach. Im Jahr seiner Ordination, 2007, wurden die Pfarrstellen Beimbach und Gaggstatt/Mistlau zusammengelegt. „Wir haben vier Kirchtürme, drei Kirchen, zwei Pfarrhäuser und einen Pfarrer“, sagt er schmunzelnd. 2005 hatte er das vakante Pfarramt in Gammesfeld vertreten, 2012 das in Wallhausen und von 2015 - 2017 das in Lendsiedel. Der Gedanke an den Ruhestand ist für ihn mit zwiespältigen Gefühlen verbunden, weil er gerne Pfarrer war. „Die Aufgaben im Pfarrdienst und was mir wichtig ist im Leben bildeten eine Symbiose, die künftig so nicht mehr gegeben ist“, bemerkt er nachdenklich. Die Verkündigung des Evangeliums und das seelsorgerliche Begleiten von Menschen machen für ihn den Pfarrdienst aus. Und er erinnert sich auch gerne zurück an den Religionsunterricht: „Das Gymnasium der Schloss-Schule in Kirchberg/Jagst war 15 Jahre lang meine Schule“, betont er nachdrücklich. Es war ihm eine Freude die Kinder und Jugendlichen in ihrem Lernen und Glauben zu begleiten und mit ihnen Diskussionen zu führen. „Sie werden mir fehlen“, sagt er.
Besonders berührt hatte Hinderer in seinem Dienst in Hohenlohe der Gottesdienst anlässlich des 500-jährigen Reformationsjubiläums 2017 in Gaggstatt. Er selber hatte ihn zusammen mit Leuten aus Gaggstatt, Mistlau und Beimbach vorbereitet, doch dann hatten ihn die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter während der Feier überrascht und es wurde plötzlich auch ein Gottesdienst anlässlich seines zehnjährigen Jubiläums als Pfarrer im Pfarramt Gaggstatt-Beimbach. So haben sich die Gemeinden mit einem Danke-Gottesdienst bei ihrem Pfarrer für seinen Dienst bedankt und danach wurde zusammen gefeiert. „Das hat mich tief beeindruckt“, berichtet er dankbar. Vor zwei Wochen, am 19. April, hätte der Abschiedsgottesdienst für Pfarrer Reinhard Hinderer und seine Frau stattfinden sollen, doch auch dieser Gottesdienst musste wegen der Corona-Krise auf unbestimmte Zeit verschoben werden. Der Dekan und die Kollegen haben sich von ihm mit Videobotschaften verabschiedet und ihm und seiner Frau für den Ruhestand viel Gesundheit und Gottes Segen gewünscht! Im Ruhestand, den Hinderers vorerst und vielleicht auch für längere Zeit im Pfarrhaus in Beimbach verbringen werden, will er sich nun wieder mehr seinen Hobbys widmen: dem Wandern, dem Fotografieren, dem Lesen theologischer Bücher, seiner Frau, ihren beiden Kindern und den fünf Enkelkindern. Als Resümee aus seinem Berufsleben stellt er humorvoll fest, dass sowohl sein erster Beruf als auch sein zweiter sich mit Dingen befassen, die dem Menschen zum Leben dienen.
Da die Tochter von Hinderers einen Pfarrer geheiratet hat und auch der Sohn Pfarrer geworden ist, bleibt abzuwarten, ob sich nun daraus eine zweite Jahrhunderte währende Familientradition anbahnt – so könnte man zumindest augenzwinkernd überlegen.