Die Martinskirche Krailshausen

Allgemeines

Der erste steinerne Kirchenbau geht, wie sich archäologisch nachweisen lässt, in die 2. Hälfte des 8. Jahrhunderts und damit in die fränkische Ausbauzeit zurück. Er umfing einen Innenraum von 8 x 6 Metern und war ein ungegliederter Saalbau von stumpf-rechteckigem Grundriß. Der Altarraum war 20 cm erhöht. Bestattungen deuten darauf hin, daß es sich von Anfang an um eine Gemeindekirche mit angrenzendem Friedhof gehandelt hat. 

Der Nachfolgebau stammt aus dem 11. Jahrhundert und ist bis heute in seiner damaligen Form im Grundsatz erhalten – eine Seltenheit! Der Halbrundchor ist gegenüber den Schiff nur wenig schmäler; außerdem liegt er nicht im Zirkelschlag, hat eher Ei-Form. Im Osten des Chores hat sich ein ursprüngliches Fenster erhalten.

 

In den folgenden Jahrhunderten wurde wieder an der Kirche gebaut. Sie bekam eine Chorbogenmauer (1. Drittel 13. Jh.), wahrscheinlich um einen Seitenaltar einrichten zu können. Um 1400 wurde der Bau nach gotischem Raumverständnis um einen Fensterstock (ca. 2 Meter) in Fachwerk erhöht. Die Apsis wurde zu einem Glockenturm hochgebaut; der Chor erhielt ein Kreuzgratgewölbe. Der Turm selbst wurde sechseckig gebaut, wahrscheinlich um die überbreite Westsite zu cachieren. Eine Glocke aus dieser Zeit ist erhalten geblieben, sie datiert um 1400; auch zwei Feierabendziegel mit entsprechender Datierung sollen gefunden worden sein. Später bekam die Kirche eine Empore.

In den Jahren 1861/63 wurde die Krailshäuser Kirche durch den Architekten Leins nochmals um 1,50 Meter erhöht. Sie bekam drei große neoromanische Fenster.

Bei der mutigen und grundlegenden Renovierung ab 1969/70 wurden zunächst, nachdem der Bodenbelag abgetragen war, archäologische Untersuchungen unter Leitung von Günther Stachel aus Unterregenbach vorgenommen. Ihr Ergebnis ist im Heimatbuch Schrozberg auch kartographisch dokumentiert. Unter der Bauleitung von Architekt Peter Haag aus Schorndorf und nach seinen Ideen wurden die Mauern des Kirchenschiffes um 3,50 Meter, die Mauern des Turmes um 6 Meter abgetragen. Damit wurde die Höhe der so vermuteten alten Kirche wiederhergestellt. Die Empore wurde entfernt, auch dies um der Kirche aus dem 11. Jh. nahezukommen.

 

 

Die Fresken in der Martinskirche sind in sehr unterschiedlichem Erhaltungszustand. Die figürlichen Darstellungen an der Nordwand der Kirche sind nur fragmentarisch erhalten, konnten aber von der Historikerin Rosemarie Wolf aus Kirchberg/Jagst im Jahr 2018 in wesentlichen Teilen gedeutet werden (s.u.).

Schön sind zwei Arten von Weihekreuzen an der Nordmauer und im Chorraum erhalten. Es sind griechische Kreuze (die kleineren), die vor 1400 datieren. Sie wurden in den feuchten Putz eingeritzt. Daneben sieht man die größeren Tatzenkreuze, die um 1400 entstanden sein mögen.

Zwei keine Gewölbeträgerfiguren fangen das Chorgewölbe nach unten auf. Es handelt sich um einen Hund oder Schakal und um eine Christusfigur mit einem Buch in der Hand.

Im Chor der Kirche an der Südmauer ist eine Gedenkplatte aus Ton mit eingemauert. Das ist eine Gedenktafel für Anna von Hohenlohe-Neuenstein geb. von Rothenburg. Ihr dankte man mit dieser Tafel offenbar für eine großherzige Spende für die umfangreichen Umbaumaßnahmen um 1400. 

Gut erhalten sind auch die 4 Symbole der Evangelisten am Gewölbe des Chorraumes: Der Engel (oder Mensch) für das Matthäusevangelium; der Löwe für das Markusevangelium; der Stier für das Lukasevangelium; sowie der Adler für das Johannesevangelium. Die Farblichkeit dieser Figuren dürfte bei der großen Renovierung 1969/70 durch Restaurator Eckert aus Bad Mergentheim evtl. etwas phantasievoll aufgefrischt worden sein.

Als DAS GEHEIMNIS VON KRAILSHAUSEN aber gilt der Schlußstein im Chor. Er stellt zweifelsfrei Jesus Christus dar; die Inschrift des sehr schön behauenen Steines aber ist bis heute nicht entziffert bzw. enträtselt. Es gibt aber 3 Theorien, die unten vorgestellt werden.

 

 

Günther Stachel zur Renovierung 1969/70

In einem Zeitungsartikel schreibt Günther Stachel über die Renovierung 1969/70 selber (bitte etwas nach unten scrollen)

folgendes:

 

 

Glockenweihe am 20.1.1989

 

Am 20. Januar 1989 wurde in Krailshausen eine neue dritte Glocke eingeweiht. Zu diesem Anlaß erschien eine kleine Festschrift, die Unterhaltsames und Wissenswertes zur neuen Glocke und zur Martinskirche Krailshausen enthält. Bitte klicken Sie hier.

 

 

Die Mesnerin Martha Albrecht und ihr Ehemann Friedrich (Fritz) Albrecht

 

105 Jahre lag das Mesneramt auf dem Hause Berger in Krailshausen. 36 Jahre lang, bis zu ihrem Abschied am 8.1.2006, hatte Martha Albrecht geb. Berger es inne und war die Mesnerin von Krailshausen. Zu ihrem Abschied hat Frau Kirchengemeinderätin Ruth Horn eine kleine Rede gehalten, die Sie einsehen können, wenn Sie hier klicken. In der Datei steht auch ein kleines Gedicht von Pfarrer Leiberich zum Abschied, sowie ein Gedicht von Fritz Albrecht, das er am 22.1.1989 zur Weihe der neuen (dritten) Glocke gehalten hat.  

 

 

 

 

 

Die Wandbilder

 

Die Fresken der Martinskirche wurden im Herbst 2018 von der Historikerin Frau Rosemarie Wolf aus Kirchberg / Jagst gedeutet. Links sieht man den Heiligen St. Martin selbst, finster dreinschauend und in einer schwarzen Kappe. Er fällt einen Heidenbaum, sehr zum Mißvergnügen der anwesenden vorchristlichen Einwohner. Diese warten darauf, dass der Baum als Strafe der Götter auf Martin stürzt, doch dieser hält dem Baum eine Capsula mit einem Evangelienwort entgegen, und der Baum fällt in eine andere Richtung. Die Geschichte samt der Beschreibung des schwarz gekleideten Martin ist in den "Legenda Aurea" des Jacobus de Voragine verbrieft und kann dort nachgelesen werden; die "Legenda Aurea" waren im hohen Mittelalter die Grundlage aller Heiligendarstellungen in Europa.

 

Es heißt dort:

Zur Martinslegende aus Jacobus de Voragine: Legenda Aurea. Heiligenlegenden. Ab 1263 aufgeschrieben. Aus dem Lateinischen übertragen. Manesse Verlag Zürich, 2000, S.  371-375.

 

„In ähnlicher Weise gehorchten ihm auch die Pflanzen. An einem Ort hatte Martinus einen Tempel aus uralter Zeit zerstören lassen und wollte auch eine dem Teufel geweihte Fichte fällen. Die Bauern und Heiden widersetzten sich ihm, und einer von ihnen sagte: Wenn du wirklich Vertrauen in deinen Gott hast, so wollen wir diesen Baum zum Fallen bringen, du aber fang ihn auf! Wenn dein Gott, wie du ja behauptest, bei dir ist, wirst du mit dem Leben davonkommen. Martinus willigte ein, schon war der Baum angehauen, schon neigte er sich gegen Martinus, der an dieser Seite angebunden worden war. Da machte der Heilige das Zeichen des Kreuzes gegen ihn, der Baum neigte sich auf die entgegengesetzte Seite und erschlug fast die Bauern, die auf der sicheren Seite standen. Da sie nun dieses Wunder sahen, bekehrten sie sich zum Glauben."

 

„Als das Volk von Tours ohne Bischof war, verlangte es Martinus zum Bischof, obwohl sich dieser dagegen zur Wehr setzte. Einige der versammelten Bischöfe erhoben sich aber gegen diese Wahl, da sie der Ansicht waren, Martinus sei seiner Erscheinung nach häßlich und von unschönem Gesicht.“

 

 

Der Heilige mit der Hirschkuh rechts daneben ist der Heilige Aegidius; ihm gegenüber dürfte Maria stehen. Eine Heilige in der oberen Reihe der Pilger, die offensichtlich ein Augen-Problem hat, dürfte die Heilige Ottilie sein. Nimmt man als geographischen Ort für die Heilige Ottilie das Kloster Odilienberg im Elsass bei Strassburg an, dann läge der Odilienberg auf dem weg nach Tours - ein Hinweis für Martinsweg-Pilger?

 

Viel mehr und Genaueres zur Martinskirche Krailshausen hat Frau Rosemarie Wolf noch erarbeitet. Bei Interesse wenden Sie sich bitte ans Evang. Pfarramt Schrozberg.

 

 

Das Geheimnis von Krailshausen - der Schlusstein im Chorgewölbe

 

Die Inschrift im Schlusstein konnte bislang noch nicht endgültig entziffert werden. 3 Vorschläge finden Sie im folgenden.

 

- Vorschlag von Herrn Hermann Piana, Ravensburg

- Vorschlag von Herrn Werner Loesti aus Weikersheim

- Vorschlag von Pfarrer Gottfried Uber aus Archshofen