Die Evangelische Kirche Schrozberg

Auf dieser Seite finden Sie Informationen über unsere Kirche. Für Kirchenführungen steht Herr Helmut Moser (Tel. 07935-8492) zur Verfügung. Bei Interesse dürfen Sie sich an ihn, und natürlich gerne auch an das Pfarramt wenden.

 

 

Die Evangelische Kirche Schrozberg wurde in den Jahren 1614 – 1617 an Stelle einer Vorgängerkirche erbaut und am Reformationstag, den 31.10.1617, eingeweiht. Bauherr der neuen Kirche war der Patronatsherr Graf Georg Friedrich von Weikersheim (verheiratet mit Eva Gräfin von Waldstein in Böhmen), der seit 1609 alleiniger Herr in Schrozberg war. Das Allianzwappen der Patronatseheleute ist in Stein gehauen über dem Westeingang der Kirche zu sehen. Da die neue Kirche eine evangelische Kirche war, ist sie keinem Heiligen geweiht. Die Kirche ist im Stil der späten Renaissance erbaut worden und vollständig mit Roll - und Beschlagwerk in Griselle-Malerei (nur schwarz/weiß/grau) ausgemalt. In den Neubau integriert wurden einige Epitaphien der Familien Berlichingen und Hohenlohe. Ein zweiflügeliger Hochaltar wurde der Kirche vom Bau- und Patronatsherrn zur "Erstausstattung" gestiftet. Im Turm klingt eine Glocke von 1507 aus der Werkstatt Lachamann / Heilbronn. Die barocke Orgel aus der Werkstatt von Johann Anton ehrlich aus Wachbach bei Bad Mergentheim wurde im Zuge der Innenrenovierung 1959-62 durch eine Bornefeld-Orgel ersetzt; der Prospekt wurde belassen. Das alte Uhrwerk aus der Werkstatt Philipp Hörz / Ulm von 1890 wurde 1955 zu einem mechanisch-elektrischen Kombi-Werk umgebaut und zeigt und schlägt uns bis heute Zeit und Stunde. 1933 wurden der Kirche zwei Kunstglasfenster aus der Werkstatt des Stuttgarter Künstlers Rudolf Yelin dem Jüngeren gestiftet.

 

 

Einen guten und bebilderten Überblick über das, was wir von unserer Kirche wissen, gibt ein Kirchenführer, der zum Abschluss der Innenrenovierung am 15. April 2018 herausgegeben wurde. Er wird im folgenden in Etappen als Download angeboten.

 

 

 

Teil  1: Deckblatt, Inhaltsangabe und Einführung

Teil  2: Die Vorgängerkirche; die Reformationszeit; die Berlichingen-Epitaphe Teil 1

Teil  3: Die Berlichingen-Epitaphe Teil 2; die Lachamann-Glocke von 1507; der Kirchenneubau 1614-17

Teil  4: Der Erbauer Graf Georg Friedrich von Hohenlohe - Weikersheim 

Teil  5: Das Roll- und Beschlagwerk, Bild des geöffneten Hochaltares

Teil  6: Zum Hochaltar; die Geschichte der Emporen

Teil  7: Epitaph von Graf Chr. Ludwig Moritz von Hohenlohe (1707-1758); die Orgel; das frühe 19. Jh.

Teil  8: Das spätere 19. Jahrhundert; die Innenrenovierung von 1877

Teil  9: Die Turmuhr; Kirche und Pfarrhaus 1913; Renovierungsmaßnahmen 1927-28

Teil 10: Die Yelin-Fenster; die Innenrenovierung 1959-62

Teil 11: Die Innenrenovierung 2016-18 Teil 1

Teil 12: Die Innenrenovierung 2016-18 Teil 2; die Kirche und ihre Pfarrer im 20. Jh.

Teil 13: Die Jakobsmuscheln auf dem Marktplatz

 

Den Ablauf der Feierlichkeiten zum Abschluß der Innenrenovierung 1959-62 können Sie hier aufrufen

 

Im Sommer 2019 ist ein sehr schöner Bildband über den Künstler herausgekommen, der unsere beiden Kunstglasfenster entworfen hat. Herausgegeben wurde es von Frau Christa Birkenmaier, es trägt den Titel: "Rudolf Yelin d. J. 1902-1991 -Leben und Werk-. Imhof-Verlag, D 36100 Petersberg, ISBN: 978-3-7319-0844-9. Wenn Sie hier klicken, sehen Sie die Vorder- und Rückseite des Buches.

 

 

Ergänzendes zur Lachamann - Glocke von 1507

Signierte Glocken aus der Glockengießerei Lachaman in Heilbronn aus den Jahren 1481-1526 sind in ununterbrochener Reihenfolge und in großer Anzahl in Württemberg erhalten. Rund 90 Glocken zeigt ein Verzeichnis, darunter

 

Schmalfelden 1481 - Wallhausen 1493 - Ellrichshausen 1505 - Rot am See-Musdorf 1505 - Rot am See Martinskirche 1505 - Rot am See Musdorf 1506 - Langenburg 1513 - Beimbach 1514 - Pfizingen 1515 - Blaufelden 1515 - Hohebach 1514 - Michelbach Heide 1516

 

 

Sie weisen alle den gleichen Typ auf, vom Körper angefangen: Kronenplatte auf doppelter Vorlage, schwach gerundeter Übergang der Haube zur Schulter, glatte Flanke, Kronenbildung aus stets glatten Bügeln von rechteckigem Querschnitt und scharfem Knick. Die Inschrift aus klaren breitgestalteten gotischen Minuskeln wird von einem Tatzenkreuz eingeleitet und durch große paragraphenförmige Zeichen nach den einzelnen Worten getrennt. Das Schriftband wird von den glatten derben Stegen durch freie Zonen geschieden.

 

 

Vorstufen zu Lachamans Stil sind auf unsignierten Glocken weit nach rückwärts zu verfolgen. Lachaman hatte einen Vorgänger, Meister Daniel, der von 1450 bis 1473/74 in Heilbronn als Glockengießer nachweisbar ist (Ailringen 1451 - Michelbach Heide 1457). Dessen Witwe führte die Gießhütte mit einem Verwandten (Vetter oder Neffe) Bernhard = Lachaman bis zu ihrem Tod um 1479 weiter. Aus diesem Jahr stammt die erste signierte Lachaman – Glocke in der Heilbronner Kilianskirche (im 2. WK vernichtet). Sie beweist seine beginnende Selbstständigkeit. Die Glocken des Meister Daniel weisen eine Ähnlichkeit mit Glocken der Egerschen Gießhütte in Reutlingen auf, was sich erklärt, wenn man weiß, daß Hans Eger in Reutlingen und Meister Daniel Brüder waren. Hatten die Egerschen Glocken noch römische Jahreszahlen und die Namen der 4 Evangelisten im Spruchband, so verwendet Lachaman als erste Jahreszahl die arabische 1 und als zweiten Einser eine römische I, sowie den Satz: Osanna heis ich … 1479 wurde Bernhart Mitglied des Rats der Stadt Heilbronn, dem er mindestens bis 1495 angehörte.

 

An Himmelfahrt 1517 starb Bernhart Lachaman sen. Sein Sohn Bernhart jr., der Stiefbruder des Heilbronner Reformators, führte die Gießhütte bis 1523 weiter. Er ließ bis auf eine einzige Glocke die Flanke stets unverziert. Sein Bruder Jerg Bernhart stirbt 1524, doch bleibt der Name Bernhart Lachaman auch über dessen Tod hinaus erhalten, vermutlich. Führte die Witwe des zweiten Bernhart die Giesshütte weiter.

 

Die Lachaman’sche Rippe findet heute wieder Verwendung.

Unsere Schrozberger Lachamann – Glocke ist auf den Ton g gestimmt. Sie wiegt 790 kg, ist 85 cm hoch, hat einen unteren Durchmesser von 109 cm und trägt die gotische Inschrift: „ + osanna § heis § ich § in § unser § fraen § er § elut § ich § bernhart § lachmann § gos § mich § 1507“ (Hosianna heiße ich, für die Ehre unserer Frau (Maria) läute ich, Bernhart Lachmann goß mich 1507).