Taufsprüche

Was ist die Taufe?

Die Taufe ist die Aufnahme in die Gemeinde. Die Taufe wird im Neuen Testament zum ersten Mal bei Johannes dem Täufer erwähnt und es verwundert mich immer wieder, dass wir lesen wie die Menschen zu Johannes dem Täufer an den Jordan hinausströmen und sich taufen lassen. Wir lesen nicht, dass sie ihn gefragt hätten, was er da tue und was das zu bedeuten habe. Die Menschen kannten diesen Ritus bereits. Wenn Menschen damals zum Judentum übergetreten sind, wurden sie auch getauft. Das deutsche Wort „Taufen“ kommt von „Tauchen“, so wie damals auch immer durch Untertauchen getauft wurde. Das Untertauchen war ein Sinnbild für Sterben (oder Ertränken) der alten Existenz und mit dem Auftauchen hat man sich nun zu einer neuen, anderen Existenz (Religion) bekannt.

 

Paulus erklärt die christliche Taufe im Römerbrief Kapitel 6. Das Untertauchen ist auch bei ihm ein Sinnbild für Sterben – aber für „Sterben mit Christus am Kreuz.“ Das Auftauchen ist bei ihm ein Sinnbild für „Auferstehen mit Christus am Ostermorgen.“ Wenn ich mich taufen lasse, dann bekenne ich mit dem Untertauchen, dass ich glaube und wünsche, dass Christus stellvertretend für mich - zur Vergebung meiner Schuld - am Kreuz gestorben ist und somit ich dort gestorben bin: Ich bin gestorben mit Christus am Kreuz! Mit dem Auftauchen bekenne ich, dass ich glaube und wünsche, dass so wie Christus am Ostermorgen auferstanden ist, so auch ich auferstehen werde und im Glauben heute schon auferstanden bin: Auferstanden mit Christus am Ostermorgen! So kann Paulus auch sagen: „Ist jemand in Christus, so ist er eine neue Kreatur; das Alte ist vergangen, siehe, Neues ist geworden.“ Bei der Taufe wird sozusagen das Heilsgeschehen Jesu von Kreuz und Ostermorgen am Täufling symbolisch nachvollzogen.
Heute taufen wir mit dem verkürzten Taufritus des „Beträufelns mit Wasser“ anstatt des Untertauchens, was sicher dem Umstand geschuldet ist, dass wir heute meistens kleine Kinder taufen. Doch symbolisch steht hinter dem Beträufeln mit Wasser nach wie vor das Untertauchen.

 

Bei der Kindertaufe sagen die Eltern und Paten, dass sie glauben und wünschen, dass das Heilsgeschehen von Kreuz und Ostermorgen für ihr Kind gilt. Wahrscheinlich hat die christliche Gemeinde während der ersten Christenverfolgungen damit begonnen Kinder zu taufen, weil es den Eltern ein Anliegen war. Christliche Eltern hatten wohl die Angst, dass sie und ihre Kinder in der Verfolgung sterben könnten. Und dann war es ihnen wichtig, dass wenn ihre Kinder sterben müssen, dann sollen sie als Getaufte sterben.
Der Taufe ist immer ein Taufunterricht vorangegangen, in welchem die Taufbewerber über die Kernstücke des Glaubens unterrichtet wurden, dass sie auch gewusst haben, wozu sie sich bekennen und was sie glauben. Bei der Kindertaufe geht kein Taufunterricht voran, aber er wird von uns als Kirche nachgeholt. Der Konfirmandenunterricht ist nachgeholter Taufunterricht und bei der Konfirmation sagen die als Kind getauften dann zu ihrer Taufe Ja.

 

Die Taufe besteht bei uns aus zwei Handlungen. Zum einen die oben beschriebene Wasserhandlung und zum andern die Segenshandlung. Nach der Wasserhandlung wird dem Täufling die Hand aufgelegt und ein Segenswort gesprochen. Ich mache dem Täufling dabei ein Wasserkreuz auf die Stirn, somit wird das Bild Gottes auf ihn gezeichnet und mit dem Segenswort der Name Gottes auf ihn gelegt. Eine ganz ähnliche Handlung ist uns geläufig, nämlich wenn wir ein Buch kaufen oder geschenkt bekommen. Viele schreiben dann als Erstes ihren Namen hinein um damit zu sagen: Dieses Buch gehört mir! Wenn wir beim Segnen den Namen Gottes auf einen Menschen legen, dann sagt Gott zu ihm: „Du gehörst mir!“ Auf vielen Taufsteinen steht das Bibelwort: „Fürchte dich nicht, denn ich habe dich erlöst; ich habe dich bei deinem Namen gerufen; du bist mein!“

 

Jede Taufe, die wir miterleben, darf uns zur Tauferinnerung dienen. Bei jeder Taufe wird mir wieder neu vor Augen gemalt, wie Gott einst auch mir zugesagt hat, dass er mir ein gnädiger Gott wolle sein. Und wir dürfen gewiss sein, was Gott versprochen hat, das hält er gewiss - was Gott uns geschenkt hat, nimmt er nie wieder zurück! Martin Luther hat in Zeiten der größten Anfechtung mit Kreide auf seinen Tisch geschrieben: „Ich bin getauft!“ Das hat ihn getröstet und es hat ihn gewiss gemacht, dass er bei Gott in Gnaden ist. Dem Christenmenschen steht es an – so Luther – „täglich in die Taufe und aus ihr heraus zu kriechen.“

 

Täglich sagt uns Gott: „Fürchte dich nicht - Du bist mein!“   

 

Marcus Götz