Die evangelische Stadtkirche Langenburg

Mesner

Friedrich Schoger
Finkenweg 3

Schon im Jahre 1226 wird Langenburg in einer Urkunde des Bischofs von Würzburg - zuvorkommenderweise - „Stadt“ genannt. Eine Kirche besaß das kleine Gemeinwesen jedoch nicht. Bis 1556 war Langenburg nach Bächlingen eingepfarrt. Doch ließ Graf Kraft VI. von Hohenlohe (1503) und dessen Gemahlin Helena von Württemberg (t+1506) in den Jahren 1499 - 1502 in Langenburg eine Heilig-Blut-Kapelle erbauen, zu der alsbald gewallfahrtet wurde. Baumeister war Hanns Schramm.

Stifterfenster

Stifterfenster

Mitstifter der Kapelle waren Markgraf  Friedrich IV. von Brandenburg (+ 1512), ferner Ritter Wilhelm von Crailsheim (+ 1515) und dessen Gemahlin Anna von Gundelsheim (+ 1549). Die Stifter der Kapelle sind allesamt in den neun farbigen Glasscheiben des Stifterfensters festgehalten (1499/1500 Nürnberger Schule). Graf Philipp Ernst von Hohenlohe-Langenburg (1584 - 1628) ließ 1610 die Kirche nach Westen verlängern und für das gräfliche Haus eine Familiengruft einbauen.Zwei Jahre später kam die steinerne Kanzel - geschmückt mit den vier Evangelistensymbolen in Alabaster - in die Kirche.

Die erste Orgel wurde schon 1613 aufgestellt. Der heutige Glockenturm, der vier Glocken trägt, wurde 1654/1655 unter Graf Heinrich Friedrich von Hohenlohe-Langenburg (1625 - 1699) erbaut. Er war es auch, der dem Gotteshaus seine heutige Ausstattung zukommen ließ. Die Erweiterung des Kirchenschiffs nach Norden im Jahre 1680 zwang zum Einbau des hölzernen Tonnengewölbes.

Der Hochaltar, der 1680 zum Reformationsjubiläum in die Kirche gestiftet wurde, zeigt in den beiden Hauptbildern die Taufe Jesu im Jordan und die Einsetzung des Heiligen Abendmahls, dazu in der Predella die Übergabe der Augsburger Konfession an Kaiser Karl V. am 25. Juni 1530. Die Altarbilder wurden, ebenso wir die vierundzwanzig Bilder in den Emporfeldern, von dem aus Nürnberg stammenden Joachim Georg Creutzfelder (1622 - 1702), dem Hofmaler der Grafen von Hohenlohe, gemalt.

Das Kruzifix und den Taufstein - letzteren zum frommen Gedenken an seine zehn früh verstorbenen Kinder - ließ Graf Heinrich Friedrich ebenfalls um 1680 in die Kirche bringen.

Die Mehrzahl der Epitaphe aus Holz und Stein stammen aus derselben Zeit, desgleichen das spätgotisch anmutende Chorgewölbe mit den Wappen der Vorfahren des Grafen Heinrich Friedrich und seiner Gemahlin Juliane Dorothea Gräfin von Castell (1640 - 1706).
 


Die Fürstenloge trägt die Jahreszahlen 1708 und 1763.


Der Opferstock, der als Kassenschrank der Heiligenpflege diente, stammt aus dem Jahre 1704. Aus Anlaß der Erhebung der Grafschaft Hohenlohe-Langenburg in den Reichsfürstenstand 1764 wurde die Kirche mit einer neuen Orgel begabt, die der Orgelbaumeister Martin Gessinger aus Rothenburg/Tauber erstellte. Der barocke Prospekt seiner Orgel ist noch heute ein Schmuckstück der Kirche. Das jetzige Orgelwerk wurde 1983 durch Orgelbaumeister Konrad Koch, Feuchtwangen, gebaut und umfaßt dreiundzwanzig klingende Register.

Bei der umfassenden Kirchenerneuerung 1906 erfuhr die Kirche weitere Bereicherungen dadurch, daß im Chor ein Wandfresko aus der Zeit der Erbauung - eine Marienkrönung darstellend — aufgedeckt und restauriert wurde, daß die endgültige Aufstellung des von Michael Kern d. J. (1580 - 1649) aus Forchtenberg geschaffenen Hochgrabes (Sarkophag) des Grafen Philipp Ernst von Hohenlohe-Langenburg und dessen Gemahlin Anna Maria Gräfin von Solms (1585 - 1634) erreicht werden und daß die vier großen Chorfenster von Professor Otto Geiges aus Freiburg i. B. eingesetzt werden konnten. Das hölzerne Tonnengewölbe - ursprünglich blau mit goldenen Sternen - erhielt 1958 durch Kunstmaler Wolf-Dieter Kohler seine heutige Bemalung, die Elemente Wasser (Fische), Erde (Blumen) und Luft (Vögel) symbolisierend.


Die von Joachim Georg Creutzfelder gemalten Emporefelder zeigen - beginnend nächst der Fürstenloge - den Priesterkönig Melchisedek (1. Mose 14,18—20); Moses (2. Mose 20, 1-17); und Aaron, den ersten Hohenpriester (2. Mose 28, 1-43). Auf sie folgen die vier großen Propheten Jesaja (Jes. 6, 1-7), je mit Berufungsvision im Wolkenfeld. Den Abschluß der Längsempore bilden die vier Evangelisten Matthäus, Markus, Lukas und Johannes. An der Orgelempore sind die Brustbilder Jesu und der zwölf Apostel zu sehen, wobei anstelle des Verräters Judas Ischarioth nicht Matthias (Apostelgesch. 1, 15-26), sondern der Apostel Paulus eingerückt worden ist.