Studientag zum Thema "Gottesdienst" am 27.10.2012 in Brettheim

Prof. Dr. Christian Möller - Dekan Siegfried Jahn

Im Gespräch vertieft

Wertschätzung des „ganz normalen Gottesdienstes“

Prof. Dr. Christian Möller

Rot am See-Brettheim. Für die Wertschätzung des „ganz normalen Gottesdienstes“ plädierte Professor Dr. Christian Möller bei einem Studientag im Haus der Musik und Begegnung am Samstag, 27. Oktober. Vor rund 30 Kirchengemeinderätinnen und –räten sowie einigen Diakonen und Pfarrern sprach sich der Heidelberger Theologe dafür aus, die herkömmliche Liturgie mit großer Sorgfalt zu feiern. Darin könne man von der russisch-orthodoxen Kirche lernen, die gerade auf diese Weise den Kommunismus überdauert habe. Viele unserer Gottesdienste seien dagegen vom „Virus des Besonderen“ befallen. Der selbst auferlegte Druck, jedes Mal etwas Außergewöhnliches bieten zu müssen, erschöpfe die Pfarrerinnen und Pfarrer, so Möller.

„Unterschätzen Sie geschichtliche Prägungen nicht“, sagte Möller, der anhand der Kirchengeschichte erläuterte, warum hierzulande die Predigt eine „so überragende Stellung“ innehabe und das Abendmahl dagegen „eher ein Schattendasein“ friste. Martin Luther habe die Evangelischen in Süddeutschland ermutigt, nicht die lutherische Messe einzuführen, sondern beim Predigtgottesdienst zu bleiben.

An einem Punkt, nämlich der Zulassung von Kindern zum Abendmahl, lobte Professor Möller allerdings Veränderungen der zurückliegenden Jahre. Um Kindern das Abendmahl zu erklären würde in vielen Gemeinden ein Teil des Konfirmandenunterrichts bereits in Schulklasse 3 erteilt. Hierbei Taufe und Abendmahl zu erklären bezeichnete der Heidelberger Professor als „ganz hervorragend“. „Nur Mut dazu!“, sagte er.  

In der Aussprache plädierten Pfarrer Johannes Eißler und Diakon Wolfgang Fuchs von den Missionarischen Diensten der Landeskirche für verbindliche und wiederkehrende neue Formen von Gottesdienst. Christoph Schweikle, Projektpfarrer für das „Jahr des Gottesdienstes“, meinte, es wäre gut, wenn Gemeinden mit neuen Gottesdienstformen zum Beispiel vier Mal im Jahr „das Fenster aufmachen“. „Wenn es aber nur noch Fenster gibt, dann stimmt die Statik nicht mehr“, so Schweikle, der sich mit diesem Bild ebenfalls für die verlässliche Form stark machte. Einig waren sich alle, dass Gottesdienste feierlich, würdig und doch lebendig gestaltet werden sollten.

Text und Bilder: Johannes Eißler