Dekansbericht 2012/2013

© privat

vor der Bezirkssynode Blaufelden am 18. April 2013

 

Wir haben hier keine bleibende Stadt, deshalb sind wir Kirche unterwegs

 

Verehrte Bezirkssynodale, sehr geehrte ehren- und hauptamtliche Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, liebe Gäste, liebe Schwestern und Brüder,

die diesjährige Jahreslosung aus dem Hebräerbrief ruft uns auf den Weg: „Wir haben hier keine bleibende Stadt, sondern die zukünftige suchen wir“ (Hebr. 13,14). Nicht nur im Zusammenhang mit diesem Bibelwort, sondern mit dem Ganzen des Hebräerbriefes ist der namentlich unbekannte Verfasser dieses Briefes im gesamten Neuen Testament der profilierteste Vertreter einer „Kirche unterwegs“. Unser Leben, unser Glaube, unsere Gemeinden, unsere Kirche: Sie alle haben hier keine bleibende Stadt, weil es in unserer Welt schlechthin nichts Bleibendes gibt. Alles ist einem Werden und Vergehen unterworfen, alles befindet sich in Veränderung, bleiben kann Vieles nur auf Zeit, bis es von Neuem überarbeitet oder mitunter ganz abgelöst wird.

Damit verbinden sich gewiss eine Menge neuer Hoffnungen und  Chancen, neue Möglichkeiten, Gewinne, die bisher noch gar nicht in Betracht gezogen wurden. Darin ist sicher auch das Aufregende und Spannende unseres Lebens zu sehen, das die Gestaltung unseres Lebens und unserer kirchlichen Arbeit als fröhlichen und spannenden Auftrag verstehen lässt.

Mit immerwährenden Veränderungen, mit dem ständigen Unterwegssein verbinden sich aber auch belastende Gefühle und Gedanken. Menschen verstehen sich nicht selten als Getriebene. Die Gestaltung der Zeit wird zu einer Hetze von Terminen und Projekten – und nicht selten nehme ich von außen bei anderen und auch im Alltagsgeschäft des Dekanats solche Anzeichen wahr. Dass man bei all den Veränderungen unserer Zeit nie am Ziel ist, wird uns allen mitunter auch zur Last, bis hin zu krankmachenden Arbeits- und Freizeitstrukturen.

Wir haben hier keine bleibende Stadt – dieses Bibelwort aus dem Hebräerbrief möchte uns nicht unbarmherzig hetzen und ständig in Bewegung halten, sondern es tröstet sich an Altem und Bewährtem, an den Erfahrungen unserer Glaubensvorfahren und es schlägt damit Faden zu einem künftigen, vor uns liegenden Ziel: Am Ende soll unser Leben Ruhe finden bei Gott. Er ist der Bleibende, darum verliert jetzt schon unser Leben nicht seinen Halt, deshalb ist die Arbeit der Kirche Jesu Christi auch ein orientiertes Suchen nach Gott und kein blindes Stochern im Nebel. Wir haben hier keine bleibende Stadt, deshalb sind wir Kirche unterwegs: Dieses Wort der Jahreslosung wird in seinem Zusammenhang umrahmt von Jesus Christus, über den wenige Verse zuvor gesagt wird: „Jesus Christus gestern und heute und derselbe in Ewigkeit“. Er ist unser Ziel, er ist der Bleibende und von ihm her wird unsere Jahreslosung gleich im übernächsten Vers in unsere Zeit hineingelenkt mit den Worten: Gutes zu tun und mit anderen zu teilen, vergesst nicht. Wir sind in allen Veränderungen und in allem Suchen Beauftragte, Gutes zu tun: Vergiss das nicht, liebe Kirche unterwegs! Lasst uns in der Gegenwart Jesu Christi ohne Angst auf Neues zugehen. Lasst es uns wagen, für eine gewisse Zeit eine Menge Fragen, aber noch keine Antworten zu haben. Solche Zwischenzeiten sind nicht gerade bequeme Zeiten: Altes aufgegeben zu haben und Neues noch nicht in Händen halten zu können, kostet Kraft. Diese Zeit des Umbruchs ist jedoch nötig, um für die Zukunft voranzukommen. Vielleicht sind uns in unseren Kirchengemeinden und Arbeitsbereichen derzeit mehr solche Zustände aufgetragen als uns lieb ist, aber ich möchte Sie, liebe Synodale bitten, in solchen Spannungen den Schritt nach vorne zu wagen und ihr Vertrauen nicht wegzuwerfen (wie es der Hebräerbrief sagt, Hebr. 10,35). Im Aufsehen auf Jesus Christus wird es sich erweisen, wie unsere Arbeit weitergehen kann und wie sie auf der Höhe unserer Zeit sinnvoll bei den Menschen ankommen wird.

Was hat sich im vergangenen Jahr in unserem Kirchenbezirk alles verändert, ergeben und bewegt? Ich möchte nur wenige ausgesuchte Beobachtungen und Ereignisse ansprechen, Sie können in der Aussprache gerne weitere Ergänzungen hinzufügen und das ansprechen, was aus Ihrer Sicht wichtig ist. Den Bereich Jugendarbeit – Schule (das sei vorausgehend gesagt) werde ich in meinem Teil unbemerkt lassen und verweise auf den anschließenden Bericht unseres Schuldekans.

Beginnen möchte ich mit einem herzlichen Dank an alle ehren- und hauptamtlich Mitarbeitenden: Ich nehme wahr, wie sich eine große Zahl an Frauen und Männern, an Jugendlichen und Älteren in die Arbeit unserer Kirche einbringt. Wir können dankbar dafür sein, dass viele sich ohne nach Zeit und Lohn zu fragen, engagieren und auch hauptamtlich Beschäftigte sich mehr einbringen als es ihr Dienstauftrag von ihnen erfordert. Ich möchte allen im Namen des Kirchenbezirksausschusses  sehr herzlich für ihre Arbeit danken! Kirche unterwegs könnten wir nicht sein ohne Menschen, denen die Arbeit im Reich Gottes ein Herzensanliegen ist.

Für die weitere Entwicklung unserer Arbeit im Kirchenbezirk wird eines sehr wichtig sein: Wir werden Vieles besser und entlasteter tun können, wenn wir unseren Kirchenbezirk und seine Arbeit als Gemeinschaftsarbeit verstehen. In einem solidarischen Bewusstsein unterwegs zu sein, können wir gerade vom Hebräerbrief lernen: Da steht das „Wir“ gegenüber dem Wort „Ich“ deutlich im Vordergrund. In der Lutherübersetzung kommt das „Ich“ insgesamt 26 mal vor – interessant aber ist, wo es vorkommt: Fast ausschließlich in Zitaten aus dem Alten Testament, in denen das Ich kein menschliches, sondern das Ich Gottes ist. Lediglich in den Ermahnungen spricht der Verfasser mit einem persönlichen Ich (nur 5 mal), und diese Ermahnungen haben auch nichts anderes im Blick, als zum Wir, also zur Gemeinschaft zu rufen.  Das zeigt: Wenn im Hebräerbrief in der Ich-Perspektive gesprochen wird, ist Gott gemeint. Im Blick auf die Menschen aber spricht dieser Brief nur vom Wir. „Wir haben hier keine bleibende Stadt, sondern die zukünftige suchen wir“ (Jahreslosung). Dieser Brief also stellt sich das Vorankommen der Kirche nur als gemeinschaftliches Unterwegssein vor. Wo bei unserer Arbeit ich-zentrierte Einzelinteressen im Vordergrund stehen, verzehren sich unsere Kräfte oft im Alleinsein oder im Gegeneinander statt im Miteinander und Füreinander. Und dann ist es auch nicht mehr weit bis zum Durcheinander, liebe Schwestern und Brüder.
Diese Gemeinsamkeit wird uns in den nächsten Jahren in unserem Kirchenbezirk auf mehreren Ebenen herausfordern: Bei den Finanzen des Kirchenbezirks genauso wie in der Diakoniestation, bei den Pfarrstellen unseres Kirchenbezirks und der Zugehörigkeit von Gemeindegliedern zu unserem Kirchenbezirk genauso wie der Umfang der baulichen Tätigkeiten, der Personalstellen oder die Häufigkeit von Gottesdiensten in Kirchengemeinden. Es sollte uns neu bewusst werden, wie die Arbeit eines Kirchenbezirks sich versteht. Dazu heißt es in der Kirchenbezirksordnung unserer Landeskirche: „Der Kirchenbezirk nimmt den Auftrag der Kirche in seinem Bereich wahr. Er unterstützt die Kirchengemeinden bei der Erfüllung ihrer Aufgaben. Er fördert die Zusammenarbeit benachbarter Kirchengemeinden. Er nimmt die Aufgaben eigenständig wahr, die die Möglichkeiten einer Ortsgemeinde oder einer Gruppe benachbarter Ortsgemeinden übersteigen oder die ihm durch die kirchliche Ordnung übertragen sind“ (§1 Abs. 5 KBO).
Mit anderen Worten: Der Kirchenbezirk kann sich Aufgaben, die die Möglichkeiten einer Ortsgemeinde übersteigen, nur in dem Maße leisten, wie eine möglichst große Anzahl von Gemeindegliedern eine noch verträgliche Pro-Kopf-Umlage zu leisten imstande  ist. Damit Sie einmal einen Vergleich mit anderen Kirchenbezirken haben, hier eine Tabelle mit den Angaben zur Höhe der Bezirksumlage, soweit diese mir zur Verfügung standen:

Kirchenbez.    Jahr    Gde.gl.zahl    Höhe HHP     Umlage/Gde.
Blaufelden      2013   20.236          515.000.-      25,45
Künzelsau      2013   15.401          372.620.-      24,19
Schw. Hall     2012      ----           741.200.-      19,45
Gaildorf         2013    21.648          373.200.-      17,24

Die Zahlen zeigen: Wir werden in den nächsten Jahren bei bezirklichen Aufgaben und deren Finanzierung eine einvernehmliche Verständigung brauchen, denn unsere Umlage ist für die Kirchengemeinden bereits so hoch, dass diese nicht weiter belastbar ist.

Eine Kirche, die unterwegs ist, muss auch dafür Sorge tragen, dass Menschen nicht auf der Strecke bleiben. „Gutes zu tun vergesst nicht“ – so haben wir es vorhin aus dem Hebräerbrief gehört. Deshalb liegt uns die diakonische Arbeit sehr am Herzen. Ein herzlicher Dank gilt den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern des Diakonieverbandes, die das Angebot der beratenden Diakonie des Kreisdiakonieverbandes hilfreich und ideenreich ausgestalten. Die erstmals durchgeführte Aktion des Weihnachtswunschbaumes kam in mehreren Kirchengemeinden hervorragend an. Insgesamt etwa 140 Menschen bekamen zu Weihnachten einen Wunsch erfüllt und spürten: Da gibt es Menschen, die an mich denken. Diese Aktion werden wir auf jeden Fall auch dieses Jahr anbieten.

Ein herzlicher Dank gilt auch unseren Schwestern und Pflegern der Diakoniestation Blaufelden. Sie sorgen mit ihrer Arbeit dafür, dass kranke und alte Menschen und deren pflegende Angehörige Unterstützung finden und von fachlich kompetenten und menschlich freundlichen Mitarbeitern begleitet werden. Die Rückmeldungen bei Besuchen in unseren Häusern zeigen mir, dass die Arbeit unserer Krankenpflegestation sehr geschätzt wird. Das ist ein Verdienst unserer leitenden und pflegenden Mitarbeiterinnen undMitarbeiter.
Wir freuen uns, dass wir nach dem Weggang von Herrn Feinauer, der zum Pflegedirektor im Caritaskrankenhaus in Bad Mergentheim berufen wurde, mit Herrn Erwin Landwehr wieder einen Geschäftsführer gefunden haben. Er wird sich uns nachher noch vorstellen. Ihnen jedoch an dieser Stelle ein herzliches Willkommen.

Weniger erfreulich ist die Tatsache, dass der Abschluss unserer Diakoniestation auch im Jahr 2012 ein Minus hinterlässt. Nach dem vorläufigen Jahresabschluss des Prüfers des Diakonischen Werkes beläuft sich der Abmangel auf etwas mehr als140.000 Euro (einschließlich der Diakonischen Zeiten i.H.v. 65.000.-). Gegenüber dem Jahr 2011 mit 211.000 Euro Verlust stellt dies zwar eine Verbesserung dar, es zeigt sich jedoch auch: Wir sind zwar durch manche Umstellungen auf den richtigen Weg gekommen, aber noch nicht am Ziel angelangt. Es bleibt immer noch ein Suchen nach Möglichkeiten, wie wir das Jahresergebnis näher an eine schwarze Null bringen können. Neben manchen noch nicht umgesetzten Vorschlägen werden wir mit der Mitarbeitervertretung auch darüber ins Gespräch eintreten, wie Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter uns helfen können, das Ergebnis zu verbessern. Denn der Griff in die Rücklagen kann nicht zum System werden.

Herzlich danken möchte ich der Mitarbeitervertretung für ihre vertrauensvolle Zusammenarbeit und den guten Ton, in dem wir die Belange der Mitarbeiterschaft besprechen können und ich bitte Herrn Rudat als Vorsitzenden der MAV, dies dem Gremium weiterzugeben.

Herzlich danken möchte ich an dieser Stelle aber auch denjenigen Krankenpflegeförderverein, die sich haben hinein nehmen lassen in das „Wir“ des Hebräerbriefes und die uns in diesem Sinne finanziell unterstützt haben. Ohne solche Unterstützung wäre die krankenpflegerische Arbeit unserer Diakoniestation überhaupt nicht zu denken und ich hoffe, dass wir weiterhin auf eine gute Begleitung unserer Krankenpflegefördervereine zurückgreifen können.

Um über die Situation der Diakoniestationen in kirchlicher Trägerschaft mehr Informationen zu erhalten, habe ich in der letzten Sitzung der Landessynode eine förmliche Anfrage an den Oberkirchenrat eingebracht. Die Antwort von Frau Baehrens, der stellvertretenden Vorstandsvorsitzenden des Diakonischen Werkes Württemberg, liegt Ihnen als Tischvorlage vor. Weitere Informationen können Sie dieser Antwort entnehmen, hervorheben möchte ich jedoch die bemerkenswerte Feststellung, dass in den letzten neun Jahren die Personalkosten „allein durch Tarifsteigerungen um 17% gestiegen“ sind, während die Kostenerstattung der Krankenkassen „um lediglich acht Prozentpunkte“ zugelegt hat. Hier tut sich ein immer größeres Delta auf, das leicht erklärt, warum im Jahr 2011 60% aller kirchlichen Diakoniestationen im Minus stecken blieben. Es bleibt zu hoffen, dass verstärkte Bemühungen des Diakonischen Werkes zumindest zu einer einigermaßen Angleichung von Kosten und Kostenerstattung führen. Es ist derzeit immer weniger zu verstehen und kaum noch zu rechtfertigen, dass in der Presse von Rekordgewinnen der Kassen berichtet wurde, diese aber nicht in den Dienst der Menschen gestellt werden.  Auf diese Gewinne haben kranke und alte Menschen einen Anspruch, und auch diejenigen, die diese Dienste anbieten und gut ausführen!

Im Bereich der Altenheimseesorge haben wir im letzten Jahr den entscheidenden Schritt zur Gründung eines Ethikratestun können. Für unseren Altenheimseelsorger Diakon Rudat war das ein lang gehegter Wunsch, für den wir in einigen Sitzungen auch die Unterstützung aller Alten- und Pflegeheimanbieter sowie unserer Diakoniestation und zweier Palliativmediziner in unserem Kirchenbezirk gewinnen konnten. Mit dabei sein werden auch alle Pfarrerinnen/Pfarrer und Diakon Rudat als Altenheimseelsorger. Es wird nun möglich sein, schwierige ethische Entscheidungen über lebensverlängernde Maßnahmen zu erörtern und die Überlegungen der Angehörigen und der Pflegekräfte nach medizinischen, juristischen und seelsorgerlichen  Gesichtspunkten einzuschätzen. Offiziell steht die Gründung noch aus, inoffiziell sind aber so gut wie alle Voraussetzungen gegeben.
Herzlich danken möchte ich Ihnen, lieber Herr Rudat, auch für die über 20-jährige Begleitung von sterbenden Menschen und auch den Aufbau und die Leitung des Hospizvereins, der segensreiche Spuren hinterlassen hat und aus dessen Verantwortung sie unlängst ausgeschieden sind.

Eines der schwierigsten Themen des letzten Jahres war die Bearbeitung des Pfarrplans. Im Juli 2011 (also vor beinahe zwei Jahren) hat der Pfarrplansonderausschuss mit seiner ersten Sitzung die Planungen in Gang gebracht – schon dies zeigt, wie viel Zeit  auf diesen Veränderungsprozess verwendet wird. Etwas später wurden auch die Laienvorsitzenden und Pfarrerinnen/Pfarrer in den Distrikten, sowie um diese herum einige weitere Gremien auf örtlicher Ebene tätig. Alles in allem also nimmt der Pfarrplan einiges an Kraft und Zeit in Anspruch und ich möchte allen, die an diesen Überlegungen teilgenommen und sich in diese schwierige Arbeit eingebracht haben, sehr herzlich danken. Nach Abschluss dieser Aufgabe bitte ich um Verständnis, dass nicht alle Vorschläge berücksichtigt werden konnten, weil übergeordnete Gegebenheiten zu berücksichtigen waren oder aus zwei Distrikten einander widersprechende Vorschläge gemacht wurden. Letztlich hat der Pfarrplansonderausschuss des Kirchenbezirks eine Entscheidung getroffen und sie der Bezirkssynode im Oktober letzten Jahres zum Beschluss vorgeschlagen. Herzlich danken möchte ich vor allem auch den Mitgliedern des Pfarrplansonderausschusses, die in insgesamt sieben Sitzungen beraten und entschieden haben. In der letzten Landessynode wurden alle Vorschläge wie in unserer Bezirkssynode beschlossen bestätigt, das heißt deshalb auch: die Einsprüche der Kirchengemeinden Brettheim sowie Dünsbach/Ruppertshofen/Michelbach (Heide) wurden abgelehnt.

Insgesamt haben wir die Zahl unserer Pfarrstellen um 2,75 Stellen reduziert (1,25 Stellen aus dem Pfarrplan 2018; 0,5 Stellen durch die Abgabe der Vakaturvertretung in Schmalfelden; 1 Stelle durch die Rückgabe der PDA-Stelle an die Landeskirche) und haben zusätzlich noch in großem Bogen weitergeplant bis 2024 und 2030, wobei die Reduzierungen in 2024/2030 nur gemutmaßt werden konnten (die Zahlen liegen seitens der Landeskirche ja noch nicht vor). Diese Planung im großen Bogen hat sich jedoch als absolut richtig erwiesen, denn die betreffenden Kirchengemeinden können heute schon absehen, wie ungefähr der Weg weitergehen wird. Und: Es kann verhindert werden, dass wir bei der Reduzierung der nächsten ungefähr drei Pfarrstellen nicht noch einmal dort eingreifen müssen, wo wir dies jetzt tun mussten.

Ich möchte die Gelegenheit nutzen, um noch einmal das Grundanliegen des Pfarrplanprozesses deutlich zu machen: Erforderlich wird der Pfarrplan in erster Linie nicht wegen der Finanzen, sondern wegen des demographischen Wandels. Die Finanzen sind ein Folgeproblem geringer werdender Geburten und nicht grundlegende Ursache. Hinzu kommt noch ein starker Abgang von Pfarrerinnen/Pfarrer geburtenstarker Jahrgänge in den 2020-er-Jahren, so dass die Zahl der zur Verfügung stehenden Pfarrerinnen/Pfarrer und die der freien Pfarrstellen ohne einen Pfarrplan immer weiter auseinanderdriften würden. Dies würde dann vor allem die ländlichen Gebiete, eben auch unseren Kirchenbezirk, betreffen.
Es ist deshalb notwendig, dass sich die Landessynode und die Landeskirche in der nächsten Synodalperiode verstärkt um eine Werbung für den Pfarrberuf bemüht. Dazu wird auch unser Kirchenbezirk seinen Beitrag leisten und zwei jungenTheologinnen/Theologen einen Vikariatsplatz anbieten, um auf diese Weise die Herzen künftiger Pfarrerinnen und Pfarrer für das Land zu gewinnen. Zurzeit sieht es nicht schlecht aus, dass sich unser Angebot in diesem Jahr auch realisieren lässt. Oberkirchenrat Traub, der Verantwortliche für das Personaldezernat der Landeskirche, sprach in der Landessynode von künftig sehr guten „Übernahme- und Beschäftigungsaussichten“ und hat dazu eingeladen, die „Werbung für das Theologiestudium und den Pfarrberuf zu unterstützen“. Genau das wird auch Aufgabe der Kirchengemeinden, der Pfarrerinnen/Pfarrer und der Religionspädagogen sein. Lassen Sie uns also mit dem Herzen sowie Augen und Ohren darauf achten, wer für dieses Studium geeignet sein könnte. Unser Kirchenbezirk hat erfreulicher Weise in den letzten Jahren einige Menschen auf diesen Weg bringen können.

Dass im Blick auf weitere Schritte des Pfarrplans auch kritische Überlegungen vorzunehmen sind, das habe ich vor der letzten Landessynode im Rahmen der Aussprache zum Pfarrplan deutlich zum Ausdruck gebracht. Ich kann auf dieseÜberlegungen hier nicht im Einzelnen eingehen und verweise Sie deshalb auf den Internetauftritt der Landeskirche, wo Sie auf den Webseiten der Landessynode mein Votum finden, ebenso die vorhin erwähnte Rede von Oberkirchenrat Traub (http://www.elk-wue.de/landeskirche/landessynode/fruehjahrstagung-2013/samstag-16-maerz-2013/).

Erfreulich ist im Zusammenhang mit der Aufgabe der Gottesdienste auch die Entwicklung unserer Prädikantenzahlen. Insgesamt 19 Prädikantinnen und Prädikanten tun ihren Dienst, drei neue Bewerber/Bewerberinnen sind demnächst in Ausbildung und kommen hinzu – wir können uns nur freuen an der Bereitschaft unserer Prädikanten, den wichtigen Dienst der Wortverkündigung zu unterstützen. Wir können solche Unterstützung dringend brauchen. Man kann sich diese Begleitung leicht klar machen, wenn ich Ihnen sage: Als ich vor beinahe drei Jahren im Kirchenbezirk begonnen habe, waren wir 22 Pfarrerinnen und Pfarrer, bis zum Sommer werden es, wenn frei gewordene Stellen nicht besetzt werden, noch 15 sein. Unseren Prädikantenund deren Sprecher Herrn Kießecker, möchte ich herzlich danken. Um unsere Wertschätzung zum Ausdruck zu bringen, hat der Kirchenbezirksausschuss beschlossen, das Büchergeld der Prädikanten nach langen Jahren zu erhöhen. Dies war eigentlich längst überfällig.

Danken möchte ich auch allen Pfarrerinnen und Pfarrern unseres Kirchenbezirks für den Dienst, den sie ihren Kirchengemeinden zuteilwerden lassen. Ohne deren Einsatz und seelsorgerische Begleitung, ohne deren Wissen und Leitungskraft wäre das, was der Hebräerbrief als „Kirche unterwegs“ bezeichnet, ein zielloses Unternehmen, eine ungewisse Fahrt ins Blaue.

Veränderungen in der Jugendarbeit  unseres Kirchenbezirks gab es durch die Wahl eines neuen Bezirksarbeitskreises unter Leitung des bisherigen und auch künftigen Vorsitzenden Ulrich Hanselmann und unseres Bezirksjugendreferenten Bernhard Frank, denen ich herzlich für Ihre Arbeit und Ihren Einsatz danke. Den alten und neuen Mitgliedern des BAK wünschen wir ein gesegnetes Arbeiten und Wirken.
In Richtung Jugendkirche sind wir im letzten und Anfangs dieses Jahr insofern weitergekommen, dass wir mehrmals zu einem „Runden Tisch Jugendarbeit“ zusammenkamen. Bewährt hat sich dieses Treffen allein deshalb, weil alle kirchengemeindlichen Fördervereine von Jugendreferenten und die Vertreter verschiedener Organisationen sowie Verantwortlicher des Dekanats an einem Tisch saßen , sich kennenlernten und austauschten. Ein erstes Ergebnis war die Vereinbarung, einen gemeinsamen Kalender im Internet als Plattform zu benutzen, um sich gegenseitig mit den Angeboten besser wahrzunehmen und konkurrierende Terminkollisionen zu verhindern. Beim nächsten Treffen werden wir unsere ersten Vorstellungen von Jugendkirche mit dem Landesjugendreferenten des Ev. Jugendwerkes in  Württemberg, Reinhold Krebs, anschauen und Möglichkeiten und Schritte zu einer Jugendkirche erarbeiten. Auch im Blick auf diesen neu zu beschreitenden Weg müssen wir sagen: Wir haben noch nichts Konkretes, aber wir sind auf der „Suche“ nach Möglichkeiten, die zu unserer Struktur passen und die sich auch mit den Möglichkeiten unserer Mitarbeiterpotentiale verwirklichen lassen. Und wir brauchen Zeit, Vertrauen zueinander zu finden und dann auch das eine oder andere Projekt gemeinsam auf die Beine zu stellen.

Das kirchenmusikalische Angebot unserer Bezirkskantorin Stefanie Pfender hat auch im letzten Jahr zahlreiche unterschiedliche und meist gut besuchte Konzerte und Fortbildungen ermöglicht. Herzlich danken möchte ich Ihnen, liebe FrauPfender, für ihre Arbeit. Bitte nehmen Sie, liebe Synodale, in den Kirchengemeinden diese Angebote auch immer wieder übers Jahr hinweg wahr. Vor allem das Kantatenwochenende im Oktober 2012 war eines der herausragenden Ereignisse, an das ich erinnern möchte. An einem einzigen Wochenende wurde mit sangesfreudigen Interessenten die Bach-Kantate „Herz und Mund und Tat und Leben“ einstudiert. Der Stammchor der Kantorei stellte eine gut vorbereitete und stabil belastbare Basis für 20 neu hinzugekommene Sängerinnen und Sänger zur Verfügung und es erfolgte dann in einem Abendgottesdienst die Aufführung dieses Werkes, auch als Grundlage für die Predigt, gewissermaßen als Sondergottesdienst zum „Jahr des Gottesdienstes“ und als ansprechendes Beispiel dafür, wie Kirchenmusik in den Dienst des Gemeindegottesdienstes gestellt werden kann. Ein auch für mich persönlich bereicherndes Wochenende, das ich jedem nur empfehlen kann, wenn er auch nur halbwegs gut singen kann. Für nächstes Jahr weise ich Sie gleich hin auf das Wochenende 8./9. Februar 2014, wo dieses Wochenende mit einer anderen Kantate asugestaltet werden soll. Merken Sie es sich am besten gleich vor.
Außerdem weise ich Sie als die Vertreterinnen und Vertreter der Kirchengemeinden auch darauf hin, dass Frau Pfender Klavierunterricht und Orgelunterricht erteilt, beides auch finanziell gestützt durch den Kirchenbezirk, so dass der Unterricht auch für Schüler jeden Alters erschwinglich ist. Machen Sie bittedafür in Ihren Kreisen Werbung, denn nicht nur der Pfarrdienst, sondern auch der Organistendienst braucht künftig erheblich mehr Nachwuchs.

Eingeführt wurde im letzten Jahr auch das Projekt „Energiemanagement“, sachkundig und aufschlussreich begleitet von Frau Baur, der geschäftsführenden Umweltreferentin unserer Landeskirche. Insgesamt 6 Kirchengemeinden haben sich der Initiative angeschlossen und die Arbeit bereits aufgenommen (Lendsiedel, Rot am See, Blaufelden, Billingsbach, Herrentierbach, Gerabronn; Kirchberg/Jagst ist ja mit dem Grünen Gockel zertifiziert). Es könnten, so meine ich, gerne mehr Kirchengemeinden sein, die sich beteiligen und vielleicht wäre nach einer Auswertung einer ersten Runde auch eine zweite Welle in Gang zu setzen. Interessant ist dieses Angebot nämlich vor allem auch für kleine Gemeinden, die wissen sollten, wie hoch ihr Energieverbrauch tatsächlich ist, damit man sich mit dem Heizen großer Räume (vor allem Gemeindehäuser und Kirchen) nicht um „Kopf und Kragen“ heizt. Warten wir es also ab, wie die ersten Ergebnisse in unserem Kirchenbezirk aussehen, dann überlegen wir, wie es weitergehen kann.

Auch im Personalbereich gab es wieder einige Veränderungen: Seit dem letzten Jahresbericht ist Pfr. Beißwanger zum 31. Dezember 2012 in den Ruhestand gegangen, jetzt schon absehbar sind zwei weitere Mitarbeiter, die uns verlassen werden: Pfr.in Endmann ist derzeit noch in Erwartung des zweiten Kindes und wird am 28. April in den Mutterschutz und anschließend für zwei Jahre in die Elternzeit eintreten. Mit der zweijährigen Elternzeit ist automatisch auch der Verlust der Pfarrstelle verbunden, so dass die Pfarrstelle Gerabronn vakant wird und erst nach 11 Monaten wieder besetzt werden kann. Die Verabschiedung von Familie Endmann wird am 7. Juli 2013 im Vormittagsgottesdienst in Gerabronn stattfinden und wir wünschen Ihnen, liebe Frau Endmann, Ihrem Mann und den beiden Kindern alles Gute und eine gesegnete Zeit.
Pfarrerin Gabriele Renz wurdeschon letztes Jahr auf ihre neue Pfarrstelle in Steinenkirch im Dekanat Geislingen a.d. Steige gewählt, muss jedoch mit dem Umzug warten, bis das dortige staatliche Pfarrhaus renoviert ist. Aller Voraussicht nach wird sie Ende Mai umziehen und mit dem 1. Juni 2013 ihre neue Pfarrstelle versehen.
Verabschieden müssen wir uns auch von Pfr. Hans-Gerhard Hammer und seiner Frau Elisabeth, die nach 35 Jahren die Kirchengemeinde Brettheim und den Kirchenbezirk verlassen. Sie haben mit ihrem Wirken den Namen Brettheim über die Grenzen unseres Kirchenbezirks hinaus bekannt gemacht und segensreiche Spuren in ihrer Kirchengemeinde hinterlassen – auch Pfarrfamilie Hammer sei herzlich gedankt. Dir, lieber Hans-Gerhard und deiner Frau wünschen wir Gottes Segen, Gesundheit und Kraft für noch manchen Dienst, den ihr euch zu tun vorgenommen habt.
Neu hinzugekommen ist in unserem Kirchenbezirk Pfr. Marcus Götz auf der zweiten Pfarrstelle Blaufelden und Pfr. Knoke mit Familie auf der Pfarrstelle Wiesenbach. Sie haben sich beide bereits gut eingelebt und ich denke, Sie sind gerne hier. Wir jedenfalls nehmen das so wahr.
Immer noch unbesetzt sind derzeit Hengstfeld (zweimal erfolglos ausgeschrieben) und Wallhausen (zweimal erfolglos ausgeschrieben). Wenn Gerabronn und Brettheim im Frühsommer und Sommer noch hinzukommen, wird die Luft im Pfarrdienst dünner werden. Ich danke allen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in den vakanten Gemeinden, aber auch den Kolleginnen und Kollegen im Pfarrdienst, die in ihren Nachbargemeinden für eine spürbar gute Unterstützung sorgen. Ich danke auch für das Verständnis der vakanten Kirchengemeinden, dass in der pfarrerlosen Zeit die Dienste nicht wie normal angeboten werden können. Auch hier ist unser „Wir“, das gute Miteinander, eine unverzichtbare Größe (ich erinnere nochmals an den Eingang meines Berichts).

Wir haben hier keine bleibende Stadt, sondern die zukünftige suchen wir: Unter dieses Wort der Jahreslosung habe ich meinen Bericht über das vergangene Jahr im Kirchenbezirk gestellt. Sie sehen: Es gab eine große Zahl an Veränderungen zu berichten und es wird nun am Ende des Berichts leicht einsichtig, dass es nichts Bleibendes gibt, dass alles, was lebt, sich immer auch verändern muss, mancher und manche kommt und geht, manches abgebaut und aufgebaut wird – dass wir aber mit großer Zuversicht auf die vor uns liegende Zeit schauen können, weil wir geführt und gehalten werden von unserem Herrn Jesus Christus, der war und ist und bis in Ewigkeit sein wird – der Bleibende allein. Mit ihm wird unser Suchen immer wieder auch zu einem Finden. In seiner Kraft werden wir Frucht bringen, die bleibt. Und unter seiner Führung werden uns Veränderungen nicht nur kräftezehrende Herausforderungen sein, sondern auch zum Segen werden.

Ich danke Ihnen für Ihre Aufmerksamkeit.

Siegfried Jahn
Dekan

Blaufelden, 15. April 2013